Thieme Verlagsgruppe

Ein neuer Grund für hochaufwendige Pflege

Im Jahr 2018 erwarten Sie einige neue Inhalte im PKMS. Unter anderem hält die „ausgeprägte Fatigue in der schwersten Ausprägung entsprechend Assessment“ im Grund G10 des Leistungsbereichs Körperpflege des PKMS-E (Erwachsene) Einzug in den OPS-Katalog und wird als Anlass für eine therapeutische Ganzkörperwaschung gelten:

G10

Anlässe für eine therapeutische Ganzkörperwaschung bei einem Selbstfürsorgedefizit, Körperpflege in Verbindung mit einem der aufgeführten Punkte:

  • beeinträchtigte Orientierung/Wahrnehmung
  • pathologische Bewegungsabläufe, Freezing (motorische Blockade)
  • vorhandene Spastik, Rumpfataxie
  • ausgeprägte Fatigue in der schwersten Ausprägung entsprechend Assessment

Die Dokumentation und Ausweisung einer schwersten Fatigue mittels angemessenem Assessment kann sich aus verschiedenen Gründen als Herausforderung erweisen, unter anderem hinsichtlich der verlässlichen Einschätzung des Schweregrades und hiermit verbunden der Wahl eines geeigneten Assessmentinstruments.

Vor diesem Hintergrund hat die Fachgesellschaft Profession Pflege einen Entwurf für eine FAQ erstellt, dessen Freigabe durch die Sozialmedizinische Expertengruppe „Vergütung und Abrechnung“ der MDK-Gemeinschaft (SEG 4) erwartet wird. 

Tiefergehende Informationen wie die weitreichende Beschreibung verfügbarer Assessmentinstrumente, deren Anwendung und alle weiteren Neuerungen und Änderungen des PKMS zum Jahr 2018 sowie Informationen zur berufspolitischen Diskussion und aktuelle Erfahrungsberichte aus der Praxis finden Sie in dem in Kürze erscheinenden „Handbuch 2018 für PKMS und OPS 9-20“.

Eingereichter Entwurf der Fachgesellschaft:

Wie ist die „ausgeprägte Fatigue in der schwersten Ausprägung entsprechend Assessment“ nachzuweisen?

Es gibt international nur wenige Assessments zur Einschätzung einer Fatigue, mit deren Gesamtscore eine Schweregradeinteilung vorgenommen werden kann. Eines der wenigen Instrumente, welches auch für den Akutbereich sinnvoll erscheint, ist das Brief Fatigue Inventory (BFI). Neben einer leichten Durchführbarkeit sollte ein geeignetes Instrument mit Blick auf den PKMS Schwellenwerte für die Beurteilung des Schweregrades beinhalten und als validierte Version in deutscher Sprache vorliegen. Da viele Skalen zur Erfassung einer Fatigue noch nicht ausreichend validiert sind (Seyidova-Khoshknabi et al., 2011), reduziert sich die Zahl infrage kommender Instrumente. Ein Assessment, das sich für den PKMS-Kontext zur Bestimmung der Schwere einer Fatigue eignen kann, ist das Brief Fatigue Inventory (BFI), welches ursprünglich zur Erfassung krebsspezifischer Fatigue entwickelt wurde (Mendoza et al., 1999). Seyidova-Khoshknabi und Kollegen (2011) beurteilen das BFI auf Basis einer systematischen Literaturrecherche als das geeignetste Instrument für Palliativpatienten in fortgeschrittenem Krebsstadium, da es nur wenige Items umfasst und optimale psychometrische Eigenschaften aufweist. Darüber hinaus hat sich das Instrument u.a. als nützlich in Hinblick auf nicht-demente ältere Menschen (Shuman-Paretsky, Belser-Ehrlich, & Holtzer, 2014) und Menschen mit COPD (Chen, Coxson, & Reid, 2016) oder Osteoarthritis (Murphy et al., 2010) erwiesen. Mithilfe des BFI, das auch in einer validierten deutschsprachigen Version vorliegt (Radbruch et al., 2003), ist es möglich, den Schweregrad einer Fatigue zu bestimmen.

Das Instrument besteht aus einem einleitenden dichotomen Item (ja/nein), mit dem die Patienten gefragt werden, ob sie sich in der vergangenen Woche ungewöhnlich müde oder matt gefühlt haben. Dieses Item fließt nicht in die Berechnung des Gesamt-Scores ein. Die weiteren neun Items sind auf einer numerischen Rangskala von 0–10 zu bewerten. Drei dieser Items behandeln die wahrgenommene Schwere einer Fatigue (0 = keine Müdigkeit, 10 = stärkste vorstellbare Müdigkeit). Die restlichen sechs Fragen beziehen sich auf den Einfluss der Fatigue auf die allgemeine Aktivität, die Stimmung, das Gehvermögen, die normale Arbeit, die Beziehung zu anderen Menschen und die Lebensfreude (0 = keine Beeinträchtigung, 10 = vollständige Beeinträchtigung). Der globale Score des BFI ist der Durchschnittswert der skalen-basierenden Items. Je höher der errechnete Wert, desto schwerer wird die Fatigue wahrgenommen (Lin et al., 2006; Mendoza et al., 1999; Okuyama et al., 2003; Radbruch et al., 2003; Yun et al., 2005). Der Gesamtscore ermöglicht folgende Kategorisierung: 1–3 für eine „leichte Fatigue“, 4–6 für eine „moderate Fatigue“ und 7–10 für eine „schwere Fatigue“ (Mendoza et al., 1999; Radbruch et al., 2003; Yun et al., 2005). Alternativ kann auch ein separater Schweregrad-Score berechnet werden, indem lediglich der Durchschnittswert jener drei Items berechnet wird, die den Schweregrad erfassen (Lin et al., 2006; Wolfe, 2004).

Die schwerste Ausprägung entspricht beim BFI Assessment einem Punktwert von 7-10. Vergleichbare Instrumente sind ebenfalls zugelassen. 

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