Thieme Verlagsgruppe

Aufbruch in ein neues Zeitalter der Pflege

Um pflegerische Berufe zu professionalisieren und die gesundheitspolitischen Herausforderungen zu meistern, brauchen wir ein NRG-System, appelliert Frau Marie-Luise Müller, ehemalige Präsidentin des deutschen Pflegerats. NRG (Nursing Related Groups) sind Aufwandsgruppen, welche im Gegensatz zu den DRG nicht die medizinischen, sondern direkt die pflegerischen Maßnahmen abbilden. Damit soll die Pflege eine stärkere Relevanz im Finanzierungssystem Krankenhaus erhalten. Im Interview mit Station24 begründete Frau Müller das Konzept eines bundesweiten NRG-Systems:

Da das DRG-System nicht dafür ausgelegt sei, Pflegeleistung sowie -bedarf am Patienten abzubilden, komme es laut Frau Müller zu Fehlanreizen für Kliniken. So müssten Kliniken oft nach dem ökonomischen Diktat entscheiden, welche Therapie eingesetzt wird. Dabei sollte das Ziel eine freie Entscheidungsfindung im interdisziplinären Team sein, welche das Bestmögliche für den Patienten mit adäquatem Mitteleinsatz realisiert. Es dürften keine finanziellen Nachteile für Kliniken entstehen, die vermehrt auf therapeutische Angebote und Pflegefachlichkeit zurückgreifen. Dies sei jedoch häufig der Fall, da Erlöse im DRG-System nicht direkt einzelnen Pflegefällen zugeordnet werden können. Auch würden Kliniken mit hohen Qualitätsstandards und Pflegepersonalschlüsseln immer mit den niedrigeren Pflegepersonalschlüsseln anderer Kliniken verglichen werden, somit komme es zu keiner Refinanzierung für fachlich korrekte Pflege.

In der Einführung der NRG sieht Frau Müller eine große Chance, die Personalstellenbesetzung sowie die Krankenhausfinanzierung und Qualitätsentwicklung positiv zu beeinflussen. Die Pflege müsse sich als Erlösfaktor definieren und ihre Pflegeleistungen über ein eigenes Kostengewicht kalkulieren. Aufgrund der Pflege- und Leistungsdokumentation könne genau definiert werden, wie viele Personen für eine bestimmte Tätigkeit notwendig sind und wie diese kalkuliert werden müssen. Neben einer Zuordnung der Erlöse und einer damit einhergehenden adäquaten Personalstellenbesetzung würde somit auch der qualitative Ansatz der Pflege weiter fokussiert werden. Nachbarländer wie Österreich hätten diesen Weg schon längst mit Hilfe gesetzlicher Rahmenbedingungen eingeschlagen, indem Pflegediagnosen gesetzlich verpflichtend sind. In Deutschland sei es auch an der Zeit, dass die Pflege sich engagiere und die NRG bis 2020 eingeführt werden. Die Arbeitsgruppe der AGKAMED hat erst kürzlich ein Positionspapier verfasst, welches eine adäquate Pflegepersonalbesetzung fordert.

Ist die Einführung von Nursing Related Groups ein Lösungsweg zur Professionalisierung der Pflege? Marie-Luise Müller sagt ja. Die Einführung der NRG müsse auf Basis von Pflegediagnosen gedacht werden. Durch die, im besten Falle, elektronische Pflege- und Leistungsdokumentation auf Basis von Pflegediagnosen, ergäben sich positive Auswirkungen für Patienten, Kliniken und das Pflegepersonal.

Zum ausführlichen Interview mit Frau Marie-Luise Müller

Zum Positionspapier der AGKAMED AG 

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