Thieme Verlagsgruppe

1. Struktur und Aufbau von ENP

1.1 Die Pflegeklassifikation ENP – Teil A

An dieser Stelle erfolgt zum besseren Verständnis zunächst ein kurzer Ausflug in die Prinzipien der Ordnungslehre. Ganz allgemein ist eine Klassifikation ein Ordnungssystem, das auf dem Prinzip der Klassenbildung beruht. Eine Klassifikation ist eine Auflistung von Begriffen, die in der Regel eine hierarchische Struktur aufweist. Der allen anderen Begriffen in der Klassifikation übergeordnete Begriff wird üblicherweise Allbegriff genannt und stellt den alles umfassenden Begriff dar. In ENP lautet der Allbegriff „Pflegekonzepte/Begriffe zur Abbildung des Pflegeprozesses". Die Begriffskette, dargestellt durch Verbindungslinien, stellt Relationen zwischen den über- und untergeordneten Begriffen her. Innerhalb der einzelnen Klassen ist das Klassifikationssystem ebenfalls hierarchisch aufgebaut. Es umfasst die Elemente: Gruppe -> Domäne -> Klasse -> Kategorie -> Subkategorie.

Die Gruppe der Pflegeprobleme untergliedert sich zum Beispiel in vier Domänen (Pflegeprobleme im funktionalen/physiologischen Bereich, Pflegeprobleme im emotionalen/psychosozialen Bereich, Pflegeprobleme mit mehrdimensionalen Risiken und umfeldbezogene Pflegeprobleme). Die Domäne der Pflegeprobleme im funktionalen/physiologischen Bereich z. B. ist wiederum in 11 Klassen gegliedert, denen 67 Kategorien zugeordnet sind. In der nachfolgenden Tabelle sind die Domänen, Klassen und Kategorien der ENP-Pflegeprobleme aufgelistet. Die inhaltliche Aufteilung der Domänen und Klassen ist in den drei Gruppen Pflegediagnosen, -ziele und -interventionen identisch.

Gruppe der Pflegeprobleme

Im Jahr 2006 (Version 2.3) wurden die präkombinierten Begriffe/Konzepte der ENP-Pflegediagnosen in ihre Bestandteile Pflegeproblem und Spezifikation getrennt und es wurde eine monohierarchische Struktur durch Clusterbildung aufgebaut. Diese Umstrukturierung ermöglicht Datenauswertungen auf unterschiedlichen Aggregationsniveaus. Die Clusterbildung der Pflegeprob-leme wurde in mehreren Arbeitsschritten durch Analyse der inhärenten pflegerischen Konzepte rea-lisiert. Die gesamten Hierarchisierungsprozesse waren konzeptuell geleitet und folgen zuvor festge-legten Regeln basierend auf definitorischen Grundlagenarbeiten der Domänen, Klassen usw.

In den Jahren 2007–2008 folgte die Zerlegung und Clusterbildung der ENP-Pflegeziele und Interventionen. Auch hier handelt es sich um monohierarchische Strukturen. Die Pflegeziele und
-interventionen sind auf der Ebene der Domänen und Klassen sowohl hierarchisch als auch thematisch nach der gleichen Struktur wie die der Pflegeprobleme geordnet. Auf der Ebene der Kategorien finden sich abstrakt formulierte Pflegeziele und Pflegeinterventionskonzepte.

Die Struktur der Domänen und Klassen ist in den drei Gruppen Pflegediagnosen, -ziele und
-interventionen inhaltlich aufeinander abgestimmt. Hierzu ein Beispiel: Kategorie der Pflegeprobleme „Selbstfürsorgedefizit Körperwaschung" die zugeordnete Kategorie der Pflegeziele lautet „Vorhandene Selbstfürsorgefähigkeit Körperwaschung" und auf der Ebene der Pflegemaßnahmen lautet die Kategorie „Maßnahmen im Rahmen der Körperwaschung". Kennzeichen, Ursachen folgen einer eigenständigen hierarchischen Struktur. Die Begriffe/Konzepte in ENP sind monohierarchisch geordnet. Die Hierarchisierungsarbeiten von ENP haben im Jahr 2006 (Version 2.3) mit den Pflegeproblemen begonnen. Seit diesem Zeitpunkt wird auch von einer ENP-Pflegeklassifikation gesprochen. Hierzu ein Beispiel aus der aktuellen ENP-Version 2.9:

Hierarchisierung in ENP

Die entwickelten Hierarchisierungen sind für die Weiterentwicklung von ENP und für Datenauswertungen relevant und bleiben für den Endanwender sowie in der Buchveröffentlichung unsichtbar, denn der Nutzen von ENP für die Pflegepraxis ist in der horizontalen Struktur (Abb. 1 Teil C) zu sehen.

Anhand nachfolgender Tabelle 2 kann die aktuelle Anzahl der Items aus jeder Gruppe der ENP nachvollzogen werden. Jedes Item im System ist nur einmal vorhanden, kann aber mit Ausnahme der Pflegediagnosen mehrfach verknüpft sein. Innerhalb der Domänen, Klassen und Kategorien hat jedes Element einer Gruppe nur eine Verknüpfung zur nächsthöheren Ebene. Jedes Item hat eine eindeutige ID-Nummer, die sich zwischen den Versionsständen nicht ändert. In ENP werden Items nicht entfernt, sondern nur stillgelegt. Somit ist sichergestellt, dass auch alte Pflegepläne mit den vielleicht nicht mehr gültigen Formulierungen gelesen werden können.

Anzahl der Items in den ENP-Gruppen
Anzahl der Elemente der Gruppe ENP-Pflegeprobleme

ENP Wissenschaftliche Hintergründe

ENP Forschung & Entwicklung
Buch Praxisleitlinien Pflege

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Planen und Dokumentieren auf Basis von Pflegediagnosen der Klassifikation ENP (inkl. Lernsoftware auf CD-ROM)

Buch Praxisleitlinien Altenpflege (4. Aufl.)

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Planen, Formulieren, Dokumentieren mit ENP-Pflegediagnosen (inkl. Lernsoftware auf CD-ROM)

Buch ENP - European Nursing care Pathways

Pia Wieteck
ENP - European Nursing care Pathways

Standardisierte Pflegefachsprache zur Abbildung von pflegerischen Behandlungspfaden

Buch Effizienzoptimierung der stationären Pflege

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Effizienzoptimierung der stationären Pflege

Analyse von interventionsbezogenen Bedarfs- und Aufwandszeitwerten

Buch Kriteriumsvalidität von ENP®

Simon Berger
Kriteriumsvalidität von ENP

Abbildung von individuell formulierten Pflegeprozessplanungen mit der standardisierten Pflegefachsprache ENP®

Buch Pneumonieprophylaxe bei Krankenhauspatienten

Horst Konrad
Pneumonieprophylaxe bei Krankenhauspatienten

Analyse von Daten der Pflegeklassifikation ENP® in elektronischen Patientenakten

Buch Validierung von Pflegediagnosen der Pflegeklassifikation ENP®

Pia Wieteck
Validierung von Pflegediagnosen der Pflegeklassifikation ENP

Crossmappings von ENP® mit ICNP® und NANDA